Geschichte der Odenberg-Schule

 
Hilfsschule – Sonderschule – Schule für Lernbehinderte – Schule für Lernhilfe – Förderschule
 
 
Bis 1938 ließ sich die Beschulung „schwächerer“ Schülerinnen und Schüler in einer „Hilfsklasse“ an der Stadtschule Gudensberg zurückverfolgen
Laut Chronik der Schule für Lernbehinderte, Sonderschule in Gudensberg, besuchten 32 Kinder diese Klasse, die 1939 mit Beginn des 2. Weltkrieges wieder aufgelöst wurde.
 
1950 sollte die Beschulung „schwach begabter Kinder“ wieder aufgenommen werden. Aber für 24 gemeldete Schülerinnen und Schüler wurde aus finanztechnischen Gründen keine Hilfsschullehrerstelle zur Enttäuschung der betroffenen Eltern eingerichtet.
Erst zum Schuljahr 53/54 nahm der erste Hilfsschullehrer, Anton Nennwirth aus Metze, seinen Dienst auf. 1957 übernahm Frau Helga Selenz diese Klasse.
Bis 1966 gab es eine Hilfsschulklasse mit jeweils 15 bis 26 Kindern, die Messzahl betrug 26.
Im Laufe der Jahre wuchs die Schülerzahl auf ca. 100 Kinder aus Gudensberg, Niedenstein, Edermünde und seinen Ortsteilen an. Begünstigt wurde diese Entwicklung durch die entsprechende Verbesserung der Verkehrsverhältnisse und den gestiegenen Leistungsanforderungen der Grund- und Hauptschulen. Hier führte die neue Definition der Lernziele zu einem erheblichen Leistungsanstieg. Die Einrichtung mehrerer Klassen ermöglichte jetzt eine Differenzierung der Schüler und Schülerinnen nach ihrem individuellem Leistungsvermögen, ihrem Alter und ihrem Entwicklungsstand.
 
Zitat Chronik: „In die Sonderschule wurden Kinder eingewiesen, denen die Voraussetzung für
einen erfolgreichen Bildungsgang in der Normalschule fehlen.“ Die Förderung dieser Kinder war die vorrangige Aufgabe der Sonderschule „Ihr hierbei zu helfen, sollte Aufgabe der Gesellschaft und der zuständigen politischen Gremien sein.“
 
Bis heute gültig ist, dass die Eltern die individuelle und behutsame Förderung ihrer Kinder wünschen und gutheißen, aber das Etikett „Dummenschule“ haftet der Sonderschule, heute Förderschule, in der Einstellung der Gesellschaft immer noch an. Die individuelle Förderung wird akzeptiert und honoriert, aber nicht die „abgesonderte“ Schulform.
 
Im Januar 1970 entstand im roten Gebäude der Grundschule eine selbständige Sonderschule.
Heinz Wicker wurde am 22.04.1971 zu ihrem Sonderschulrektor ernannt.
 
Inzwischen gab es einen Mangel an Sonderschullehrern, jungen Lehrkräften wurde nahe gelegt sich zum Studium der Sonderpädagogik in Marburg abordnen zu lassen.
In der Folge kam es immer wieder zu einem Lehrerwechsel, der nach und nach zu ausgebildeten Sonderschullehrern führte, aber einer kontinuierlichen Unterrichtssituation entgegenwirkte.
 
Ab dem Jahr 1975 gab es erste Überlegungen die Schülerinnen und Schüler aus der Sonderschule für Lernbehinderte in Fritzlar und der in Gudensberg an einem Standort zusammenzuführen.
Zwei Faktoren waren dafür ausschlaggebend. Zum einen entstand in Gudensberg eine Gesamtschule, die bis 1981 fertig gestellt wurde, so dass das Gebäude der ehemaligen Mittelpunktschule bis dahin nicht mehr benötigt wurde.
Zum anderen wurde in Fritzlar die zeitgleich wie in Gudensberg sich entwickelnde Sonderschule für Lernbehinderte und Praktisch Bildbare getrennt. Es entstand die Schule für Praktisch Bildbare am Dr. Jestädt-Platz und die Schule für Lernbehinderte in den Räumen der Mittelpunktschule Fritzlar, heute Anne-Frank-Schule.
 
Die auf allen Ebenen sehr emotional geführte Diskussion endete 1981 mit der Zusammenlegung beider Schulen im Gebäude der ehemaligen Mittelpunktschule Gudensberg an der Großen Binde 18 in Gudensberg.
Laut Schulentwicklungsplan des Schwalm-Eder-Kreises von 1976 wurde die Schülerzahl von 183 (Stand: 1.10.1975) für eine Schule für Lernbehinderte am Standort Gudensberg zu Grunde gelegt. Die tatsächliche Schülerzahl betrug nach der Zusammenlegung 116.
 
Lesen Sie hierzu den folgenden Zeitungsartikel: Neue Räume für Lernbehinderte, Beginn des Schuljahres 1981/82
 
 
Im Schuljahr 1984/85 erhielt die Schule den Namen Odenberg-Schule, weil „dieser Gipfel die Landschaft um Gudensberg überragt und mit ihm viele Sagen um die germanische Götterwelt und Kaiser Karl dem Großen verbunden sind“. (Zitat: Chronik Seite 37)
 
Lesen Sie hierzu den folgenden Zeitungsausschnitt: Theaterprojekt: Schweinehirt vom Odenberg
 
In den 90iger Jahren sank die Schülerzahl auf ca. 45 Schülerinnen und Schüler ab.
Gleichzeitig wurde schulpolitisch die Integration von behinderten Kindern in dem Unterricht der Regelschulen erprobt und nach und nach gesetzlich geregelt.
In einer Klasse, zunächst vorwiegend in Klasse 1 und Klasse 2, konnten 3 bis 4 behinderte Kinder aufgenommen werden, wenn das Staatliche Schulamt die personellen, sächlichen und räumlichen Vorraussetzungen dafür schaffte. Für 3 bis 4 behinderte Kinder in einer Klasse mit ca. 20 Schülern wurde der Unterricht von einer Regelschullehrkraft und einer Sonderschullehrkraft gemeinsam durchgeführt.
 
 
1991 standen die ersten integrativ beschulten Grundschüler zum Übergang in die Klasse 5 an.
Weiterführende Schulen konnten einen Antrag auf Einrichtung eines Schulversuchs zur gemeinsamen Beschulung von behinderten und nicht behinderten Kindern zu ähnlichen Bedingungen wie bereits für die Grundschulen geregelt stellen.
Dies hatte Auswirkungen insbesondere auf die Schulen für Lernbehinderte
 
Lesen Sie hierzu den folgenden Zeitungsartikel: Integration nicht zu Lasten anderer
 
Der gemeinsame Unterricht, der sich in vielen Grundschulen zu etablieren begann, ließ sich nicht so ohne weiteres auf weiterführende Schulen übertragen. Gründe dafür waren die größere Differenzierung nach Leistung, die vielfältigen Fächerkombinationen und das Entwicklungsalter der Schülerinnen und Schüler, nämlich die Pubertät.
Integrative Beschulung, die in der Grundschule bei guten Bedingungen noch gelingen kann, wird während der Pubertät mehr und mehr zur Herausforderung.
So schlugen auch in Gudensberg die Wogen hoch und nach einer sehr emotional geführten öffentlichen Diskussion wurden die ersten Anträge auf integrative Beschulung in der weiterführenden Schule abgelehnt.
Heute können Kinder, die in der Grundschule integrativ beschult werden, auf Wunsch der Eltern eine weiterführende Schule besuchen, wenn die nötigen Vorraussetzungen dafür vom Staatlichen Schulamt geschaffen werden können.
Das klappt jetzt in der Zusammenarbeit mit der Grundschule, der Gesamtschule und der Odenberg-Schule in Gudensberg problemlos.
 
1992 gründeten Eltern und Lehrkräfte der Odenberg-Schule – Schule für Lernhilfe – wie sie seither heißt, einen Förderverein, um die pädagogische Arbeit innerhalb der Schule zu verbessern und das ins Hintertreffen geratene Image dieser besonderen Schule zu verbessern.
 
Lesen Sie hierzu den folgenden Zeitungsartikel: Kinder 2. Klasse
 
1996 vergab die Paul-Dierichs-Stiftung zum 21. Mal Auszeichnungen für besonderes Engagement. Der Förderverein der Odenberg-Schule gehörte zu den Preisträgern.
 
Projekte wie Fahrradfahren, Klettern, Babyprojekt, themenbezogene Projekttage,
Klassenfahrten, Schülerbücherei, Pausengestaltung, …..können ohne die Unterstützung des Fördervereines nicht durchgeführt werden.
Auch ergänzendes Lernmaterial für den individualisierten Unterricht steht immer wieder auf dem Wunschzettel des Kollegiums, um die Förderbedingungen jedes einzelnen Kindes zu optimierten.
 
1995 nach einer Vakanz von 1 1/2 Jahren wurde Christa Kronenberger Schulleiterin der Odenberg-Schule. Sie leitete vorher die Abteilung für Körperbehinderte an der Freiherr-vom-Stein-Schule – eine additive Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe – in Hessisch Lichtenau, die körperbehinderte Schülerinnen und Schüler ab Klasse 5 integrativ beschult.